9. April 1989: Der Preis der Freiheit - Instytut Pileckiego

09.04.2026 (Thu) 19:00

9. April 1989: Der Preis der Freiheit

9. April 1989: Der Preis der Freiheit

Fotos: Radio Free Europe

Podiumsdiskussion: "9. April 1989: Der Preis der Freiheit"

09.04.2026, 19:00 | Pariser Platz 4A, 10117 Berlin 
Anmeldung: 
https://forms.gle/mXbPXztBiPDXHZoR8

Veranstalter: Georgisches Zentrum im Ausland e.V. (GZA)
Co-Veranstalter: Pilecki-Institut Berlin


Die Veranstaltung widmet sich dem 9. April 1989, jenem Tag, an dem sowjetische Truppen mit Panzern, regulären Streitkräften und bislang ungeklärten Chemikalien eine friedliche Demonstration in Tiflis gewaltsam niederschlugen. Dieser Tag steht exemplarisch für eine europäische Erfahrung, die im kollektiven Gedächtnis des Kontinents noch immer keinen angemessenen Platz gefunden hat: die gewaltsame Unterdrückung des Freiheitswillens kleiner Nationen durch Russland als koloniale Macht – eine Unterdrückung, die strukturell mit den Ereignissen in Prag 1968 und Budapest 1956 vergleichbar ist, aber weit weniger erinnert wird.

Ein besonderer Fokus der Diskussion gilt der Figur Michail Gorbatschows und seinem ambivalenten Erbe: In Deutschland wird er als Architekt der Deutschen Einheit verehrt – und das nicht ohne Grund. Doch diese Verehrung blendet systematisch aus, was er gleichzeitig in Georgien, den baltischen Staaten und anderen Sowjetrepubliken verantwortete. Der Anspruch auf ein „Sozialismus mit menschlichem Antlitz" galt offenbar nicht für jene, die Russland als Peripherie betrachtete. Diese kritische Relektüre seines Erbes ist heute, da Deutschland die Notwendigkeit einer Aufarbeitung russischer Geschichte klar benennt, dringlicher denn je.

Zugleich thematisiert die Veranstaltung die koloniale Dimension russischer Herrschaft über Georgien – ein Diskurs, der in Georgien selbst lange tabuisiert war und erst langsam in der öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte Raum gewinnt. Abschließend stellen wir gemeinsam mit dem Publikum eine scheinbar schlichte, aber aufschlussreiche Frage: Warum tragen Ereignisse wie dieses nur Daten als Namen – und keine Worte? Ist diese Neutralisierung selbst ein Erbe sowjetischer Sprachpolitik?

Gesprächsgäste: Lasha Bakradze (Literaturwissenschaftler) und Prof. Dr. Anette Werberger (Literaturwissenschaflerin),  Moderation von GZA