Berlinka und kein Ende. Bestände aus der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek in der Jagellonen-Bibliothek Krakau - Instytut Pileckiego
03.09.2026 (Thu) 18:00
Berlinka und kein Ende. Bestände aus der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek in der Jagellonen-Bibliothek Krakau
Vortrag von Prof. Dr. Paweł Zarychta zur wertvollen Sammlungen aus der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin.
Berlinka und kein Ende. Bestände aus der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek in der Jagellonen-Bibliothek Krakau
Ein Vortrag von Prof. Dr. Paweł Zarychta
03.09.2026, 18:00 | Pariser Platz 4A, 10117 Berlin
Anmeldung: https://forms.gle/gcb76HQoTfrUzBYXA
Wem gehört kulturelles Erbe – und welche Geschichten erzählen seine Wege durch die Geschichte?
Kaum ein Bestand verdeutlicht diese Fragen so eindrücklich wie die sogenannte Berlinka. Teile der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin gelangten infolge der kriegsbedingten Auslagerungen zunächst nach Niederschlesien und schließlich in die Jagiellonen-Bibliothek in Krakau, wo sie sich bis heute befinden. Ihr Verbleib blieb bis in die späten 1970er-Jahre geheim. Seither sind die Bestände immer wieder Gegenstand kulturpolitischer und rechtlicher Debatten. Gleichzeitig rücken sie zunehmend in den Fokus der internationalen Forschung und bilden die Grundlage zahlreicher wissenschaftlicher Kooperationsprojekte.
Prof. Dr. Paweł Zarychta zeichnet die wechselvolle Geschichte der Berlinka-Bestände nach, beleuchtet ihre wissenschaftliche Erschließung und ordnet die mit ihnen verbundenen Debatten ein. Zugleich zeigt er ihren herausragenden Quellenwert und ihre Bedeutung als gemeinsames europäisches Kulturerbe auf.
Die sogenannte Berlinka umfasst besonders wertvolle Bestände der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek, darunter mittelalterliche Handschriften, seltene Drucke, historische Karten sowie Briefe und Manuskripte von Martin Luther, Goethe, Schiller, Kleist, den Brüdern Grimm, Alexander von Humboldt, Leibniz und Hegel. Besonders berühmt sind außerdem die originalen Partituren und Musikautographe von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und weiteren bedeutenden Komponisten.
Die Bestände, die unter dem Namen Berlinka bekannt wurden, blieben bis Ende der 1970er-Jahre geheim. Erst danach wurde ihre Existenz öffentlich bekannt. Seitdem stehen sie immer wieder im Mittelpunkt kulturpolitischer und rechtlicher Debatten über Eigentum, Restitution und den Umgang mit kriegsbedingt verlagertem Kulturgut. Gleichzeitig hat sich die Perspektive auf die Berlinka in den vergangenen Jahrzehnten erweitert: Heute werden die Bestände intensiv wissenschaftlich erschlossen und erforscht. Sie bilden die Grundlage zahlreicher nationaler und internationaler Forschungsprojekte und eröffnen neue Einblicke in die deutsch-polnische Kultur- und Wissenschaftsgeschichte. Zugleich sind sie ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Kulturgüter über nationale Grenzen hinaus als gemeinsames europäisches Erbe verstanden und erforscht werden können.
Die Preußische Staatsbibliothek zu Berlin zählte bis zum Zweiten Weltkrieg zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Bibliotheken Europas. Ihre Sammlungen umfassten Millionen von Büchern, Handschriften, Musikalien, Karten und weiteren einzigartigen Quellen von unschätzbarem kulturhistorischem Wert. Um sie vor den Zerstörungen des Krieges zu schützen, wurden große Teile der Bestände ausgelagert. Nach Kriegsende gelangten einige dieser Sammlungen über Niederschlesien in die Jagiellonen-Bibliothek in Krakau.
Die Jagiellonen-Bibliothek in Krakau ist die Hauptbibliothek der Jagiellonen-Universität und zählt zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Bibliotheken Polens. Neben ihren umfangreichen historischen und modernen Beständen beherbergt sie eine Reihe einzigartiger Sondersammlungen von internationalem Rang. Zu diesen gehören mittelalterliche Handschriften, wertvolle Inkunabeln, historische Karten, Musikalien sowie literarische Nachlässe. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden dort auch zahlreiche Archivalien aus dem Bestand der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin aufbewahrt, die als Berlinka bekannt sind. Mit ihren bedeutenden Handschriften, Autographen und weiteren historischen Quellen stellen diese Bestände heute eine unverzichtbare Grundlage für die internationale Forschung dar und machen die Jagiellonen-Bibliothek zu einem zentralen Ort des deutsch-polnischen Kultur- und Wissenschaftsdialogs.
Prof. Dr. Paweł Zarychta ist Germanist und Literaturwissenschaftler sowie Professor am Institut für Germanistik und Nordistik der Jagiellonen-Universität Krakau. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf handschriftlichen Nachlässen – insbesondere der Varnhagen-Sammlung –, der Literatur des 19. Jahrhunderts sowie den kulturellen und gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen. Darüber hinaus publiziert er regelmäßig in der Beilage „Plus Minus“ der polnischen Tageszeitung „Rzeczpospolita“.