Buchgespräch „Otto Küsel“ mit Sebastian Christ - Instytut Pileckiego

28.01.2026 (Wed) 18:30

Buchgespräch „Otto Küsel“ mit Sebastian Christ

28. Januar 2026, 18.30 Uhr | Pariser Platz 4A, 10117 Berlin
Buchgespräch: Auschwitzhäftling Nr. 2: Otto Küsel – Der unbekannte Held des Konzentrationslagers. Autor Sebastian Christ und Hanna Radziejowska (Pilecki-Institut Berlin)

Anmeldung: https://forms.gle/DviKPrKENLYsYGzT9

Im Anschluss an den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar laden wir zu einer kontexterweiternden Veranstaltung ein, die den Blick auf eine bislang wenig bekannte Biografie richtet – und auf eine außergewöhnliche moralische Entscheidung unter extremen Bedingungen.

Im Buch „Auschwitzhäftling Nr. 2: Otto Küsel – Der unbekannte Held des Konzentrationslagers“ erzählt der Journalist und Autor Sebastian Christ die Geschichte des deutschen Häftlings Otto Küsel, der im Mai 1940 als Häftling Nr. 2 nach Auschwitz deportiert wurde. Als sogenannter Funktionshäftling, von der SS eingesetzt, um andere Häftlinge zu kontrollieren und zu disziplinieren, entschied sich Küsel bewusst für einen anderen Weg: Er rettete Hunderten polnischen Häftlingen das Leben, indem er sie vor der „Vernichtung durch Arbeit“ bewahrte.

Otto Küsels außergewöhnliche Haltung wird auch in den Berichten Witold Pileckis ausdrücklich erwähnt und gewürdigt. In Polen gilt Küsel bis heute als Held, in Deutschland ist seine Geschichte nahezu unbekannt.

Im Gespräch mit dem Autor Sebastian Christ und der Leiterin des Pilecki-Instituts, Hanna Radziejowska, geht es um Mut, Verantwortung und Handlungsspielräume im totalitären System. Das Buch zeigt eindrücklich, dass die Entscheidung zwischen Gut und Böse durch jeden einzelnen Menschen verläuft – auch unter den Bedingungen des Terrors. Küsel traf diese Entscheidung früh und konsequent.

Sebastian Christ hat sich über mehr als zweieinhalb Jahrzehnte hinweg mit Otto Küsel beschäftigt. Den entscheidenden Impuls zur Biografie erhielt er 2022 bei einem Rundgang durch die erste Fassung der Pilecki-Ausstellung. In seine Darstellung integriert er zudem eine Einführung in die Strukturen des polnischen Untergrundstaates, mit dem Küsel eng verbunden war.

„Ich habe nicht einen Bericht über Otto Küsel gefunden, der negativ wäre. Es ist klar, dass er nicht alles tun konnte. Aber diejenigen, die sich an ihn erinnerten, taten dies sehr positiv. Dabei handelte und half er in Situationen, in denen es wirklich gefährlich war“
Piotr Cywiński, Leiter der Staatlichen Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau

Die Buchpräsentation ist Teil unseres zweitägigen Gedenkprogramms anlässlich des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz.

Sebastian Christ, geboren 1981, ist Journalist, Autor und Zukunftsforscher aus Berlin. Er war unter anderem bereits als Parlamentsreporter für stern.de, als Redakteur für Digitalpolitik beim Tagesspiegel und als Kriegsreporter in Afghanistan sowie im Irak tätig. Er lebte ein Jahr lang in Kyjiw, wo er zur Maidan-Bewegung forschte. Von November 2021 an war er Senior-Kommunikationsexperte beim Cyber Innovation Hub der Bundeswehr. Für seine journalistische und publizistische Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter zweimal den Axel-Springer-Preis. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen unter anderem „Das Knurren der Panzer im Frühling. Ein Kriegsbericht aus Afghanistan" (2011) sowie „Ich bin privat hier. Eine Ukrainereportage" (2015).

Klappentext:

„Der deutsche ›Berufsverbrecher‹ Otto Küsel, der im Mai 1940 als Häftling Nr. 2 nach Auschwitz kam, hat als Funktionshäftling Hunderten von polnischen Häftlingen das Leben gerettet, indem er sie vor der ›Vernichtung durch Arbeit‹ bewahrte. 1942 gelang Küsel eine der spektakulärsten Fluchten aus Auschwitz. Neun Monate lebte er im Untergrund; der spätere polnische Außenminister und Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Władysław Bartoszewski, wollte ihm in dieser Zeit gefälschte Papiere besorgen. Erneut verhaftet, überlebte Küsel Folter und den Todesmarsch. Nach dem Krieg wurde ihm die polnische Staatsbürgerschaft ehrenhalber angeboten. Im ersten Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main sagte er als Zeuge aus.

In Polen ist Otto Küsel ein Held, in Deutschland bis heute jedoch nahezu unbekannt. Sebastian Christ, der über zwanzig Jahre lang zu Küsel geforscht hat, erzählt seine erschütternde und zugleich heldenhafte Geschichte.“

Die unten zitierte Passage findet sich in Freiwillig nach Auschwitz: Die geheimen Aufzeichnungen des Häftlings Witold Pilecki, Suhrkamp Verlag, Berlin 2013.