Courage - Film screening - Instytut Pileckiego

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12.08.2022 (Fri) 19:00

Courage - Film screening

Film Screening + discussion with director
Aliaksei Paluyan’s COURAGE

Register here: https://forms.gle/YeEYVySfttxsT64D7

Pariser Platz 4A, 10117 Berlin, Germany
August 12, 19.00

The event will be organized as part of Pilecki Institute’s (Berlin) Belarusian program in cooperation with InBelKult 2.0 (Institute of Belarusian Culture).

Panelists:

Aliaksei Paluyan, director
Ihar Suhmanau, moderator

 

Hoffnung, Mut, Enttäuschung, Kampfwille, aktuell gefühlte Aussichtslosigkeit – und ein Freiheitsauftrag für die Zukunft. So breit ist die Palette an Emotionen und Empfindungen, die viele mit dem zweiten Jahrestag der belarusischen prodemokratischen Freiheitsbewegung in Verbindung bringen. Besonders gut kommt dies im Film „Courage“ von Aliaksei Paluyan zum Ausdruck, welchen wir am Freitag im Institut zeigen werden.

Seit 2020 hat das Pilecki-Institut die Ausstellung „Belarus lebt!“ beherbergt, ein Stipendium für belarusische Kulturschaffende eingeführt, viele Events zusammen mit Razam organisiert und auf vielen anderen Wegen immer wieder die Berlinerinnen und Berliner daran erinnert, wie wichtig die Sache des freien Belarus ist.

In Folge von politischen Repressionen des Lukaschenko-Regimes nach den manipulierten Wahlen im August 2020 sind offiziell mittlerweile 1566 politische Gefangene in den belarussischen Gefängnissen inhaftiert, groben Schätzungen zufolge soll es in zwei Jahren zu mehr als 40.000 politisch motivierten Festnahmen gekommen sein. Die Opfer dieser Staatswillkür des Regimes sind schrecklichen, geradezu stalinistischen Bedingungen ausgesetzt – sie befinden sich in überfüllten Zellen, ohne Zugang zu elementaren Hygienemitteln, haben keinen Kontakt zu Angehörigen. Die Gefangenen werden gefoltert und gedemütigt.

War Belarus bereits vorher schon das einzige Land in Europa, in dem die Todesstrafe offiziell angewendet wird, so wurde sie dieses Jahr nochmals massiv ausgeweitet: selbst für die „Planung“ von „Terror- und Sabotageakten“ droht mittlerweile die Todesstrafe. Da „Planung“ ein sehr unscharfer Begriff ist, bedeutet dies in der Praxis, dass bei entsprechenden Umständen praktisch jeder nach diesem Paragraphen verurteilt werden kann.

Trotz dieser massiven Verschlechterung der Menschenrechtslage, gibt es in Belarus und auch außerhalb under Exil-Belarusen massiven Widerstand gegen die Beteiligung am russischen Angriffskrieg. Am 1.März veröffentlichten die prodemokratischen Oppositionskräfte ein „Manifest der belarusischen Antikriegsbewegung“. Darin enthalten sind drei Postulate: den Krieg stoppen, die Ukraine gegen die russische Aggression unterstützen, die Macht in Belarus den Bürger:innen zurück geben.

Das Team rund um Swetlana Tichanowskaja und Ex-Diplomat Pawel Latuschka gibt diplomatisch alles, um zu zeigen, dass das belarusische Regime komplett gegen den Willen der belarusischen Bevölkerung agiert und hilft, soweit es geht, die eigenen Verbündeten in Europa gegen den Krieg zu mobilisieren. Auch innerhalb von Belarus gibt es eine starke Widerstandsbewegung:

Am 27. und 28. Februar kam es zu den bisher größten Protesten in belarusischen Städten. Mehr als 1.100 Menschen sollen dabei festgenommen und mindestens 630 in Haft genommen worden sein. Sehr wichtig zu erwähnen sind auch die Sabotageakte bei der belarusischen Eisenbahn, welche die Verlegung und Versorgung der Invasionstruppen stark behinderten. Den Protagonisten dieses sog. „zweiten Schienenkriegs“ droht auch die Todesstrafe.

Erwähnt werden muss außerdem auch ein eigenes Bataillon, benannt nach Kastus Kalinouski, der im 19. Jahrhundert die belarussischen Aufstände gegen Russland anführte, welche blutig niedergeschlagen wurden. Es hat sichdem ukrainischen Widerstand gegen den russischen Angriffskrieg angeschlossen. Das Bataillon verfolgt zudem auch explizit das Ziel, Belarus gegen die vollständige russische Einverleibung zu verteidigen.

Heute denken wir an das mutige Frauen-Trio rund um Veronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kalesnikava, welches die eigenen politischen Interessen über Bord war und binnen 48 Stunden eine Koalition bildete, um mit der Spitzenkandidatin der Opposition Swetlana Tichanowskaja die politische Monopolstellung des autoritären diktatorischen Machthabers Lukashenka real in Frage zu stellen. Dank einer Gruppe mutiger Informatiker und ihrer eigens für die Wahlen konzipierter Software, ist heute klar, dass Lukashenka nur dank massiver Wahlfälschungen an der Macht bleiben konnte. Die Protestbewegung musste unterdrückt werden: Gewalt, Terror, willkürliche Urteile und Gefängnis waren und sind an der Tagesordnung.

Maria Kalesnikava ist weiterhin in Haft, sie nicht nur zu einer Ikone des freien Belarus, sondern ganz Europas geworden. Lukashenka wollte sie eigentlich loswerden und des Landes verweisen. "Nichts da!" antwortete ihm jedoch die Künstlerin, Aktivistin und Kulturmanagerin. Stattdessen teilt sie das Schicksal ihrer Landsleute, die en masse in stalinistischen Straflagern festgehalten werden. Nach einer Verurteilung zu 12 Jahren Haft befindet sie sich derzeit in einer Strafkolonie in Gomel.

Es gilt an die Botschaft der Protestbewegung, ihre Protagonistinnen und Protagonisten, stets zu erinnern. Wie Vitali Alekseenok schrieb: „Es gibt kein Zurück mehr“ – der Traum von einem freien Belarus wird für immer in den Herzen der Belarusinnen und Belarusen bleiben. Ähnlich wie im Falle der Ukraine war ihr Kampf auch „unser“ Kampf – für ein friedliches Europa, in dem das Recht auf Selbstbestimmung und internationales Recht gilt. Deswegen wollen wir auch in dieser schwierigen, deprimierenden Situation an ein paar Worte aus der Einführung zu unserer diesjährigen #2Nations4Freedom Veranstaltung erinnern:

„Vor unseren Augen entsteht eine neue, demokratische Welt moderner, mutiger Nationen Osteuropas. Denn das Herz der freien Welt schlägt jetzt im Kampf um Kyew sowie in den Gefängnissen von Minsk.“