Hanna Radziejowska und Mateusz Fałkowski in der heutigen FAZ - Instytut Pileckiego
Hanna Radziejowska und Mateusz Fałkowski in der heutigen FAZ
„In der Debatte über Kollaboration kommen koloniale Denkmuster zum Vorschein“.
Hanna Radziejowska und Mateusz Fałkowski in der heutigen FAZ: „In der Debatte über Kollaboration kommen koloniale Denkmuster zum Vorschein“.
Seit einigen Wochen wird in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über das Buch von Grzegorz Rossoliński-Liebe zu polnischen Bürgermeistern im besetzten Polen diskutiert. Die Debatte wirft grundlegende Fragen zur Interpretation der deutschen Besatzung und des Holocaust auf. Der Artikel ist in der heutigen E-Version der FAZ zu lesen.
Radziejowska und Fałkowski argumentieren, dass in dem Buch häufig ein verzerrtes Bild der deutschen Besatzung in Polen entsteht. Die extremen Bedingungen des Besatzungsterrors und die stark eingeschränkten Handlungsspielräume der Bevölkerung werden in der Debatte ihrer Ansicht nach oft unzureichend berücksichtigt. Kritisch sehen sie zudem die weitreichenden Schlussfolgerungen, die aus der Analyse von nur 35 Bürgermeistern im besetzten Polen gezogen werden – bis hin zur These eines „transnationalen Genozids“.
Zugleich kritisieren sie eine problematische Ausweitung des Begriffs „Kollaboration“, die in manchen Deutungen sogar bis zur Einbeziehung jüdischer Sonderkommandos in den Vernichtungslagern reicht – eine Interpretation, die aus ihrer Sicht historisch wie moralisch höchst fragwürdig ist.
Der Text verweist außerdem auf erhebliche Wissenslücken in der deutschen Öffentlichkeit über den Holocaust in Osteuropa. Laut einer Ipsos-Studie aus dem Jahr 2024 glaubt eine Mehrheit der Deutschen, deutsche Juden seien die größte Opfergruppe des Holocaust gewesen, und viele können zentrale Vernichtungsorte wie Treblinka oder Sobibór nicht benennen.
Auch das Bild der Forschungssituation erscheint widersprüchlich. Während häufig behauptet wird, nationale Narrative in Polen verhinderten kritische Forschung, stützen sich viele internationale Debatten gerade auf Quellen aus polnischen Archiven und auf Dokumentationen der Nachkriegsprozesse.
Die Geschichte der deutschen Besatzung in Osteuropa und des Holocaust, so ihr Fazit, verdient eine offene und pluralistische Debatte – auf Grundlage von Quellen und historischer Kontextualisierung, nicht von vereinfachenden Thesen, falschen Kausalitäten, moralischen Zuschreibungen und einem ausgrenzenden Deutungsmonopol.
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