Europa von Dnipro aus denken - Instytut Pileckiego

27.04.2026 (Mon) 19:00

Europa von Dnipro aus denken

Eine Buchvorstellung mit Prof. Dr. Andrii Portnov im Rahmen unserer neuen Reihe "Mehrzahl Moderne"

Europa von Dnipro aus denken

Eine Buchvorstellung mit Prof. Dr. Andrii Portnov

27.04, 19.00 | Pariser Platz 4A, 10117 Berlin | Sprache: Deutsch 

Anmeldung : https://forms.gle/14s7KhBR1PjbHatZA

Könnte man den Süden und Osten der Ukraine als „Laboratorium der Moderne“ bezeichnen? Welche Auswirkungen hätte ein solcher Ansatz auf das Verständnis des späten Russischen Reichs und der frühen Geschichte der Sowjetunion? Wie bewältigte die Stadt Katerynoslaw-Dnipropetrowsk (heute Dnipro) die Herausforderungen der raschen Industrialisierung, einer massiver Zuwanderung und der großen ethnisch-religiösen Vielfalt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert? Wie hilfreich sind analytische Konzepte wie Kolonialismus, Hybridität und nationale Indifferenz, wenn wir sie auf die sozioökonomischen Realitäten der Ukraine im Zuge der Moderne anwenden?

Ausgehend von den Erfahrungen beim Verfassen der ersten englischsprachigen Biografie der Stadt Dnipro spricht Prof. Andrii Portnov über seine Stadt, ihre Geschichte und Gegenwart. Das Gespräch basiert auf der überarbeiteten Fassung von „Dnipro: An Entangled History of a European City“, die 2022 in Boston erschien. Hanna Radziejowska eröffnet die Diskussion mit einem Kommentar. Prof. Dr. Felix Ackermann moderiert.

Prof. Andrii Portnov 

Andrii Portnov ist Professor am Pilecki-Institut, Gründungsdirektor des Forschungsnetzwerks PRISMA UKRAЇNA Ostmitteleuropa in Berlin sowie assoziiertes Mitglied des Viadrina Centre of Polish and Ukrainian Studies. Er ist ein preisgekrönter Autor zahlreicher Bücher zur Ideengeschichte, Historiographie, Genozidforschung und Erinnerungskultur in Mittel- und Osteuropa, darunter zuletzt Ukraine-Studien. Einführung (2025).

Das Gespräch findet im Rahmen der Reihe „Mehrzahl Moderne“ statt. Das Pilecki-Institut Berlin fragt gemeinsam mit dem Lehrgebiet Public History der FernUniversität in Hagen, wie die neueren Geschichten Polens, der Ukraine und von Belarus als Teil der Geschichte Europas erzählt werden können. Wie lassen sich die historischen Erfahrungen dieser Gesellschaften erzählen, ohne historische Vorstellungen von Asymmetrie, Rückständigkeit und Überlegenheit fortzuschreiben? Eine Antwort auf diese Frage ist, die Moderne als Mehrzahl unterschiedlicher, miteinander verwobener Prozesse zu verstehen. Die Sensibilität für die Vielstimmigkeit, Komplexität und Verflechtung der Region ermöglicht den Blick auf die vermeintliche Peripherie zu schärfen. Indem wir ihre Vergangenheit ins Zentrum rücken, erinnern wir daran, dass heute über die Zukunft Europas in der Ukraine entschieden wird. Die Veranstaltungen werden aufgezeichnet und im Herbst 2026 im Modul M1 des MA Geschichte Europas zur Verfügung gestellt.