8. Tag der Provenienzforschung - Instytut Pileckiego
08.04.2026 () 11:00
8. Tag der Provenienzforschung
Zum ersten Mal gewährt das Pilecki-Institut Berlin Einblicke in die Arbeit seiner Provenienzforscher:innen in den verschiedenen Themenbereichen.
8. Tag der Provenienzforschung │ Pilecki-Institut Berlin
Raub, Verlust, Rückgabe: Provenienzforschung mit Fokus Polen
Am 8. April 2026 findet der Internationale Tag der Provenienzforschung zum achten Mal statt. Zum ersten Mal gewährt das Pilecki-Institut Berlin Einblicke in die Arbeit seiner Provenienzforscher:innen in den verschiedenen Themenbereichen.
Neben Vorträgen wird eine Führung durch die Dauerausstellung „Witold Pilecki. Im Widerstand gegen Hitler und Stalin“ des Pilecki-Instituts in Berlin angeboten, die den Fokus auf den NS-Kunstraub im besetzten Polen während des Zweiten Weltkriegs legt. Dabei stehen insbesondere die Methoden der NS-Enteignung in Polen sowie die Arbeit der polnischen Exilregierung in London im Vordergrund.
TERMIN
Mittwoch, 8. April 2026
11:00-13:00 Uhr,
VERANSTALTUNGSORT
Pilecki-Institut Berlin
Pariser Platz 4A
190117 Berlin
Programm
Vortrag │ 11:00
80 Jahre nach dem Estreicher-Zug: Von historischen Herausforderungen zu aktuellen Aufgaben
Dr. Elisabeth Katzy
Der 80. Jahrestag der Rückführung polnischer Kulturgüter durch den Estreicher-Zug (30. April 1946) wird zum Anlass genommen, die polnischen Kulturgutverluste als einen offenen, bis heute andauernden Prozess zu analysieren. Ausgehend von der systematischen nationalsozialistischen Enteignung polnischer Kunst- und Kulturgüter zeigt die Analyse, dass materielle Verluste tiefgreifende Folgen für Sammlungsstrukturen, Wissensordnungen und Erinnerungskulturen haben. Die Rückführung prominenter Werke – darunter Leonardo da Vincis Dame mit dem Hermelin und der Veit-Stoß-Altar – erscheint symbolisch bedeutsam, ist strukturell jedoch ein begrenzter Akt der Restitution. Der Estreicher-Zug wird dadurch weniger als Abschluss, sondern als Ausgangspunkt langfristiger europäischer Verantwortung interpretiert, die verstärkte internationale Kooperation, nachhaltige Forschungsinfrastrukturen und eine transnationale Perspektive auf NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter erfordert.
Dauer: 30 min
Anmerkungen: Für Selbstfahrer:innen barrierefrei.
Treffpunkt: Seminarraum des Pilecki-Instituts Berlin, Pariser Platz 4A, 10117 Berlin
Um Anmeldung wird gebeten
Vortrag │ 11:30
Die Sierakowski-Sammlung. Eine Fallstudie der NS-Raubkunst
Piotr Zygmunt Kowalski
Die Sammlung der Grafen Sierakowski aus Groß Waplitz (Waplewo Wielkie), bestehend aus rund 460 Gemälden sowie weiteren Kunst- und Einrichtungsgegenständen, gehörte zu den bedeutendsten polnischen Adelssammlungen in Ostpreußen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie im Zuge der systematischen nationalsozialistischen Kulturgutraubpolitik enteignet. Nach der Ermordung der letzten Eigentümer im Oktober 1939 erfolgte 1941 auf Anordnung des Gauleiters Albert Forster die Beschlagnahmung der Sammlung unter Mitwirkung zentraler Akteure der nationalsozialistischen Kultur- und Museumsverwaltung, darunter Willi Drost, Direktor des Stadtmuseums in Danzig.
Ziel des Projekts ist die Rekonstruktion der Provenienzen der Objekte, die Analyse der Strukturen und Mechanismen des NS-Kulturgutraubs sowie die Nachverfolgung der Wege und Besitzwechsel der Objekte von der Beschlagnahmung bis in die Gegenwart.
Dauer: 30 min
Anmerkungen: Für Selbstfahrer:innen barrierefrei.
Treffpunkt: Seminarraum des Pilecki-Instituts Berlin, Pariser Platz 4A, 10117 Berlin
Um Anmeldung wird gebeten
Führung │ 12:15
Führung durch die Dauerausstellung des Pilecki-Instituts mit dem Fokus zu NS-Kunstraub in Polen
Dr. Elisabeth Katzy
Die neue Dauerausstellung „Witold Pilecki. Im Widerstand gegen Hitler und Stalin“ des Pilecki-Instituts Berlin thematisiert neben der Biografie Pileckis auch die Bemühungen des polnischen Untergrundstaates, nationalsozialistische Verbrechen zu dokumentieren. Ein zentraler Aspekt war dabei die systematische Erfassung des NS-Kunstraubs und der Zerstörung polnischer Kulturgüter.
In Polen handelte es sich nicht um vereinzelte Enteignungen, sondern um eine gezielt organisierte Politik kultureller Zerstörung. Der NS-Kunstraub war integraler Bestandteil der Besatzungsherrschaft und vollzog sich sowohl durch offene Plünderungen als auch durch administrative, rechtliche und scheinbar „wissenschaftliche“ Verfahren der Erfassung und Umverteilung von Kulturgut. Zwischen 1939 und 1942 schufen zahlreiche Verordnungen die Grundlage für den systematischen Entzug von Kulturgütern aus Museen, Kirchen und Privatsammlungen.
Bereits ab 1939 begann die polnische Exilregierung mit der systematischen Dokumentation dieser Verluste. Polnische Museumsfachleute, Archivare und Kunsthistoriker erfassten im Untergrund Provenienzen, Objektbeschreibungen und Verlustumstände; die Ergebnisse wurden dahin übermittelt und dort ausgewertet. 1940 übertrug Premierminister Władysław Sikorski dem Kunsthistoriker Karol Estreicher die Koordination dieser Arbeiten. Der 1944 erschienene Katalog „Cultural Losses of Poland. Index of Polish cultural losses during the German occupation 1939–1943“ bildet bis heute eine zentrale Grundlage der Provenienzforschung zu während der deutschen Besatzung entzogenem polnischem Kulturgut.
Das Thema macht damit deutlich, dass Provenienzforschung nicht nur eine nachträgliche wissenschaftliche Aufgabe ist, sondern bereits während des Krieges als Akt des Widerstands und der historischen Sicherung begann.
Dauer: 45 min
Anmerkungen: Für Selbstfahrer:innen nicht barrierefrei.
Treffpunkt: Foyer des Pilecki-Instituts Berlin, Pariser Platz 4A, 10117 Berlin
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung ist erforderlich.