Eine verunsicherte Moderne: Sprache, Politik und Identität in belarusischen Kulturprojekten der 1920er und 1930er Jahre - Instytut Pileckiego
19.06.2026 () 18:00
Eine verunsicherte Moderne: Sprache, Politik und Identität in belarusischen Kulturprojekten der 1920er und 1930er Jahre
Vortrag von Anna Karpenko und Kommentar von Olga Shparaga im Rahmen unserer Reihe „Mehrzahl Moderne“ mit der FernUniversität in Hagen
Eine verunsicherte Moderne: Sprache, Politik und Identität in belarusischen Kulturprojekten der 1920er und 1930er Jahre
Vortrag von Anna Karpenko
Kommentar: Olga Shparaga (FernUniversität in Hagen)
19.06, 18.00 | Pariser Platz 4A, 10117 Berlin | Anmeldung: https://forms.gle/fLX11v5SKx8BHLKs5
Die Veranstaltung findet auf Englisch und Deutsch statt. Beiträge in beiden Sprachen werden simultan in die jeweils andere Sprache übersetzt.
Die Geschichte der belarusischen Moderne ist geprägt von Ambivalenzen: Während die 1920er Jahre als Zeit einer kulturellen und nationalen Erneuerung gelten, markieren sie zugleich den Beginn einer zunehmenden politischen Repression gegenüber der belarusischen Kultur. In ihrem Vortrag untersucht Anna Karpenko verschiedene kulturelle Projekte dieser Epoche, in der die belarusische nationale und kulturelle Identität sowohl vom sowjetischen Osten als auch vom Westen herausgefordert wurde.
Anhand der Avantgarde in Wizebsk, des Kunsthistorikers Mykola Shchekotikhin sowie der Arbeit des ersten Instituts für Belarusische Kultur (InBelKult) beleuchtet sie die vielfältigen Versuche, eine eigenständige kulturelle Moderne zu entwickeln. Zugleich geht der Vortrag der Frage nach, wie europäische Moderne in Osteuropa rezipiert und transformiert wurde – und weshalb Belarus häufig als ein Ort beschrieben wird, der die Moderne nie vollständig erfahren habe.
Mit dieser Veranstaltung endet die Reihe „Mehrzahl Moderne“, die das Lehrgebiet Public History der FernUniversität in Hagen gemeinsam mit dem Pilecki-Institut Berlin organisiert.
Über die Reihe „Mehrzahl Moderne“
Wie lassen sich die neueren Geschichten Polens, der Ukraine und von Belarus als Teil der europäischen Geschichte erzählen? Wie können historische Erfahrungen dieser Gesellschaften sichtbar gemacht werden, ohne tradierte Vorstellungen von Asymmetrie, Rückständigkeit oder Überlegenheit fortzuschreiben?
Die Reihe „Mehrzahl Moderne“ schlägt vor, Moderne nicht als einheitlichen Entwicklungsweg zu verstehen, sondern als Vielzahl unterschiedlicher, miteinander verflochtener Prozesse. Die Sensibilität für die Vielstimmigkeit, Komplexität und Verflechtung der Region eröffnet neue Perspektiven auf vermeintliche europäische Peripherien. Indem wir ihre Geschichte ins Zentrum rücken, wird deutlich, dass heute auch über die Zukunft Europas in der Ukraine entschieden wird.
Alle Veranstaltungen der Reihe wurden aufgezeichnet. Die Aufzeichnungen der bisherigen Veranstaltungen sind auf dem YouTube-Kanal des Pilecki-Instituts verfügbar. Die Veranstaltungen werden darüber hinaus aufgezeichnet und im Herbst 2026 im Modul M1 des Masterstudiengangs Geschichte Europas der FernUniversität in Hagen zur Verfügung gestellt.
Anna Karpenko ist Kuratorin, Autorin und Kulturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf Kunst, Erinnerungskultur und den gesellschaftlichen Transformationsprozessen in Osteuropa. Sie studierte an der European Humanities University in Vilnius sowie Curatorial Studies an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Sie verfügt über einen BA in Philosophie, einen MA in Soziologie und einen MA in Curatorial Studies und ist Mitglied der International Association of Art Critics (AICA). Als Kuratorin hat sie Ausstellungen und Forschungsprojekte in Zusammenarbeit mit zahlreichen internationalen Institutionen realisiert, darunter das Museum Sztuki in Łódź, die Galerie Arsenal in Białystok, die Galeria Labirynt in Lublin, der Badische Kunstverein in Karlsruhe, das Museum of Contemporary Art und die GfZK in Leipzig, Halle 14 Leipzig, das ifa – Institut für Auslandsbeziehungen in Berlin, das Pilecki-Institut Berlin sowie die Katholische Universität Leuven in Belgien.Ihre Texte erschienen unter anderem in den Zeitschriften Springerin, BLOCK, Dwutygodnik, RTV, Magazyn SZUM und Kulturaustausch. 2023 veröffentlichte sie als Autorin und Herausgeberin das Buch When The Sun Is Low, The Shadows Are Long bei Spector Books in Leipzig.
Geboren und aufgewachsen in Belarus, fühlt sich Anna Karpenko ihrer Heimatstadt Minsk bis heute eng verbunden. Gegenwärtig lebt und arbeitet sie zwischen Leipzig und Berlin. Ihre Forschung und kuratorische Praxis bewegen sich an der Schnittstelle von Kunst, Geschichte und gesellschaftlichem Wandel in Ost.