Berlin w Warszawie – Neue Debattenreihe des Pilecki-Instituts in Warschau - Instytut Pileckiego

25.02.2026 () 18:44

Berlin w Warszawie – Neue Debattenreihe des Pilecki-Instituts in Warschau

Erste Veranstaltung der neuen Debattenreihe des Pilecki-Instituts in Warschau

Mit der neuen monatlichen Reihe „Berlin w Warszawie“ eröffnet das Pilecki-Institut einen Raum für vertiefte Gespräche über Geschichte, Erinnerungskultur und politische Gegenwart. Die Initiative reagiert auf eine Entwicklung, die die deutsch-polnischen Beziehungen zunehmend prägt: Trotz abnehmender historischer und politischer Asymmetrien bestehen weiterhin erhebliche Wissenslücken, insbesondere auf deutscher Seite, über die Geschichte Polens und Ostmitteleuropas. Diese Lücken wirken sich auf gegenseitige Wahrnehmungen, öffentliche Debatten und politische Sensibilitäten aus.

Zugleich stehen Deutschland, Polen und die Ukraine vor einer historischen Situation, in der Zusammenarbeit nicht nur möglich, sondern notwendig ist. Die aktuellen geopolitischen Herausforderungen machen deutlich, dass ein gemeinsames Verständnis historischer Erfahrungen und Narrative keine rein akademische Frage ist, sondern eine Voraussetzung für langfristige Verständigung und Kooperation.

Die Reihe versteht sich auch als bewusste Antwort auf eine veränderte Öffentlichkeit. In einer Zeit, in der Algorithmen und soziale Medien das Weltbild vieler Menschen strukturieren, geraten differenzierte und ambivalente Diskussionen zunehmend unter Druck. „Berlin w Warszawie“ schafft hier einen Ort des direkten Austauschs, der komplexe Perspektiven zulässt und unterschiedliche Erinnerungskulturen miteinander ins Gespräch bringt.

Erste Veranstaltung in dieser Reihe:

„Niemcy o Polsce: wyobrażenia, pamięć i białe plamy” (dt. „Deutschland über Polen: Vorstellungen, Erinnerung und Wissenslücken”)

26.02, 18.00 | ul. Sienna, 00-815 Warszawa | Anmeldung: https://docs.google.com/forms/d/e/...

Die Veranstaltung widmet sich zentralen Fragen der gegenwärtigen deutschen Debatten über Polen, den Zweiten Weltkrieg und historische Verantwortung. Im Fokus steht, welche Narrative die Diskussion prägen, welche Aspekte ausgeblendet bleiben und warum bestimmte Begriffe und Deutungen in Polen auf besondere Sensibilität stoßen. Zugleich eröffnet das Gespräch den Raum für unterschiedliche Perspektiven auf Geschichte und Erinnerungskultur.

Sebastian Christ steht dabei exemplarisch für eine neue Generation deutscher Beobachter und Autoren. Als Journalist und Publizist beschäftigt er sich intensiv mit deutschen historischen Erfahrungen und hat unter anderem zur außergewöhnlichen Biografie von Otto Küsel gearbeitet, einem deutschen Widerstandskämpfer und Helfer von Auschwitz-Häftlingen.

Ergänzt wird diese Perspektive durch weitere namhafte Gäste. Philipp Fritz berichtet als deutscher Journalist und Korrespondent für Die Welt seit Jahren über politische und gesellschaftliche Entwicklungen in Polen und Ostmitteleuropa und bringt die Sicht der deutschen Medienöffentlichkeit in die Diskussion ein. Hanna Radziejowska, Kuratorin und Leiterin des Pilecki-Instituts in Berlin, verbindet institutionelle Erfahrung mit kuratorischer und historischer Expertise an der Schnittstelle deutsch-polnischer Erinnerungskulturen.

Dr Anna Kwiatkowska, Leiterin der Abteilung für Deutschland und Nordeuropa am OSW (Ośrodek Studiów Wschodnich), zählt zu den profiliertesten Expertinnen für deutsche Politik und historische Erinnerung und ordnet die Debatte aus politikwissenschaftlicher Perspektive ein. Die Moderation übernimmt Dr Aleksandra Burdziej, Germanistin, Koordinatorin der Reihe und Wissenschaftlerin der Uniwersytet Mikołaja Kopernika w Toruniu, die die unterschiedlichen Stimmen des Abends zusammenführt.

Ein zentraler Bezugspunkt der Diskussion ist zudem eine vom Pilecki-Institut in Berlin beauftragte Studie des Meinungsforschungsinstituts Ipsos, die den Wissensstand der deutschen Gesellschaft zur Geschichte Polens untersuchte. Die Ergebnisse zeigen deutliche Verzerrungen und Wissenslücken und wurden unter anderem in einer Installation des Künstlerkollektivs PANgenerator vor der Brama Brandenburska präsentiert.

Ein weiteres Anliegen der Veranstaltungsreihe besteht darin, die Arbeit des Instituts in Warschau sichtbarer zu machen und zugleich neue Stimmen vorzustellen. Dabei wird eine wichtige Beobachtung aus der Forschungspraxis des Instituts aufgegriffen: In Deutschland existiert eine wachsende Gruppe von Expertinnen und Experten mit einem innovativen, oft überraschenden Blick auf Polen und Osteuropa, die bislang im polnischen Diskurs wenig präsent sind.

Das große Interesse an der Auftaktveranstaltung – bereits knapp 100 Anmeldungen – unterstreicht