Gedenkveranstaltung zum Holocaust-Gedenktag - Instytut Pileckiego
27.01.2026 () 18:00
Gedenkveranstaltung zum Holocaust-Gedenktag
Ein Erinnerungsrundgang mit Musik und Zeugnissen
Zum 81. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen deutschen nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau lädt das Pilecki-Institut am 27. Januar zu einem besonderen Erinnerungsrundgang ein. Die Veranstaltung versteht sich als künstlerische Annäherung an Geschichte und Gegenwart, als ein Innehalten, das das Erinnern vertieft und zugleich in die Gegenwart spricht. Unsere bisherigen Gedenkveranstaltungen zu diesem Jahrestag finden Sie auf dieser Playlist.
27.01. | 18.00 Uhr | Pariser Platz 4A, 10117 Berlin
Zum Holocaust-Gedenktag: Ein Erinnerungsrundgang mit Musik und Zeugnissen
Moderation: Frank Harders-Wuthenow
Künstlerinnen: Eszter Parragi, Ania Vegry, Katarzyna Wasiak
Anmeldung: https://forms.gle/XGwAktBhmukqkNoq5
Auschwitz steht wie kaum ein anderer Ort für den Mord an den europäischen Jüdinnen und Juden. Allein rund drei Millionen polnische Jüdinnen und Juden wurden von den deutschen Nationalsozialisten ermordet – etwa die Hälfte aller jüdischen Opfer der Shoah. Das besetzte Polen war zentraler Schauplatz der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik; hier entstanden die großen Vernichtungslager, hier wurden jüdisches Leben und Kultur nahezu ausgelöscht. Der Erinnerungsrundgang nimmt insbesondere diese Geschichte in den Blick.
Am Folgetag, dem 28. Januar, wird das Gedenken in einem kontexterweiternden Buchgespräch vertieft: „Auschwitzhäftling Nr. 2: Otto Küsel – Der unbekannte Held des Konzentrationslagers“.
Im Gespräch mit dem Autor Sebastian Christ und der Leiterin des Pilecki-Instituts, Hanna Radziejowska, steht die bislang wenig bekannte Geschichte Otto Küsels im Mittelpunkt. Otto Küsels rettende Rolle wird in den Berichten von Witold Pilecki ausdrücklich erwähnt und gewürdigt; als Funktionshäftling trug er maßgeblich zum Überleben Hunderter polnischer Häftlinge bei.
Am Internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust treten Musik, Poesie und performative Bewegung in einen sensiblen Dialog mit den historischen Zeugnissen der Ausstellung des Pilecki-Instituts. Der Abend ist als performativer Rundgang durch die Ausstellung konzipiert, der künstlerische Ausdrucksformen mit dokumentarischem Erinnern verbindet.
Im Zentrum stehen Werke polnisch-jüdischer und jüdischer Komponistinnen und Komponisten, deren Leben und Schaffen durch Verfolgung, Ghettoisierung, Lagerhaft, Exil oder Ermordung geprägt waren. Ihre Musik ist Ausdruck von Würde, Widerstand und Menschlichkeit angesichts systematischer Entrechtung und Vernichtung.
Die Kompositionen und Werke von Szymon Laks, Mieczysław Weinberg, Ilse Weber und Władysław Szpilman sind weit mehr als historische Dokumente. Sie sind Zeugnisse eines inneren Überlebens, in Klang gefasste Erinnerung. Im Wechsel mit Gedichten Ilse Webers entfaltet sich ein eindringliches Panorama jüdischer Erfahrung unter den extremen Bedingungen des Nationalsozialismus.
Der Erinnerungsrundgang führt durch mehrere Räume unserer Dauerausstellung „Witold Pilecki. Im Widerstand gegen Hitler und Stalin“. Performative Bewegung vermisst diese Orte neu: Bewegung antwortet auf Klang, Stille wird zum Resonanzraum. In dem Solostück „Rehab in my Garden“, interpretiert von Eszter Parragi, entsteht ein stiller, geschützter Raum der Auseinandersetzung, der inneren Sammlung und der Regeneration. Körperliche Präsenz wird hier zur Form des Erinnerns.
Die musikalische Gestaltung liegt in den Händen von Ania Vegry (Sopran) und Katarzyna Wasiak (Klavier und Clavichord). Beide Künstlerinnen widmen sich seit vielen Jahren intensiv dem musikalischen Erbe verfolgter und ermordeter Komponistinnen und Komponisten des 20. Jahrhunderts. Bereits 2020 traten sie gemeinsam bei der Feierstunde des Deutschen Bundestages zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz auf und interpretierten dort „Gdybyś“ von Szymon Laks – einem polnisch-jüdischen Komponisten und Auschwitz-Überlebenden.
Der Abend wird moderiert und begleitet von Frank Harders-Wuthenow, der mit einführenden Texten und Lesungen die historischen, biografischen und musikalischen Kontexte eröffnet und vertieft.
Es liegt uns viel daran, dieses Gedenken gemeinsam mit Ihnen zu verbringen.
Am 27. Januar wird jedes Jahr der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz begangen.
Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz war das größte deutsche Lager dieser Art. Die insgesamt 1.689 Tage, an denen Menschen dort unter unmenschlichen Bedingungen zur Zwangsarbeit gezwungen, gedemütigt und ermordet wurden, stehen wie kaum ein anderer Ort symbolisch für den Holocaust. Über eine Million Menschen verloren in Auschwitz ihr Leben, darunter weit über 900.000 Juden aus Ländern wie Ungarn, Polen, Frankreich, Deutschland, Belgien und Italien. Zu den Opfern zählten zudem rund 75.000 Polen, 15.000 sowjetische Kriegsgefangene sowie etwa 21.000 Roma.
Bevor Auschwitz zur zentralen Stätte des industriellen Massenmords wurde, durchlief das Lager eine dreiphasige Entwicklung.
Der erste Massentransport von Gefangenen in das Konzentrationslager Auschwitz fand am 14. Juni 1940 statt. Die frühen Transporte standen in engem Zusammenhang mit groß angelegten Aktionen, die sich gezielt gegen die polnische Intelligenz und potenzielle Widerstandsbewegungen richteten. Die Zerstörung dieser gesellschaftlichen Eliten war von Beginn an ein zentrales Element der nationalsozialistischen Eroberungs- und Unterdrückungspolitik.
In der zweiten Phase wurde Auschwitz zu einem Lager für sowjetische Kriegsgefangene ausgebaut und zugleich zu einem Experimentierfeld für den geplanten industriellen Massenmord. Gasmorde wurden systematisch erprobt und „perfektioniert“, bis Auschwitz ab 1942 dann zum zentralen Schauplatz der Vernichtung der europäischen Juden wurde. Die Deportationen von Juden aus nahezu allen besetzten und verbündeten Ländern wurden von NS-Deutschland systematisch organisiert, die Ankunfts- und Selektionsprozesse standardisiert, der Mord industrialisiert. Auschwitz wurde damit zum zentralen Symbol der planmäßigen, bürokratisch organisierten Vernichtung der europäischen Juden.
Wie mit Auschwitz und seiner Geschichte umgegangen wird, ist bis heute Gegenstand intensiver Debatten ebenso wie die Frage, wie das „Nie wieder“ lebendig bleiben kann, ohne zu einem leeren Ritual zu erstarren.