Überleben, Rückkehr, Neubeginn – Zeitzeuginnengespräch mit Janina Iwańska - Instytut Pileckiego

30.04.2026 () 14:00

Überleben, Rückkehr, Neubeginn – Zeitzeuginnengespräch mit Janina Iwańska

Zeitzeuginnengespräch mit Janina Iwańska eröffnet eine persönliche Perspektive auf Krieg, Verfolgung und den Wiederaufbau Warschaus nach 1945.

Überleben, Rückkehr, Neubeginn – Zeitzeuginnengespräch mit Janina Iwańska

Wie lässt sich der Neuanfang nach Krieg, Gewalt und Zerstörung erzählen? Welche individuellen Erfahrungen stehen hinter den historischen Bildern vom Wiederaufbau einer Stadt – und wie prägen diese Erinnerungen unser heutiges Verständnis von Geschichte?

Im Rahmen unserer Sonderausstellung „Warschaus Neuanfang 1945–1949“ laden wir Sie herzlich zu einem Zeitzeuginnengespräch ein, das die in der Ausstellung behandelten Themen um eine persönliche Perspektive erweitert und vertieft:

30.04, 14.00 | Pariser Platz 4A, 10117 Berlin | Anmeldung: https://forms.gle/DWwQcY1rZbbKfGET7

Sprache: Polnisch mit Simultanübersetzung ins Deutsche
Moderation: Julia Uchman-Łyszcz

Gruppe von 18 Mädchen, die aus dem Lager Neustadt-Glewe zurückkehren (darunter 16 Warschauerinnen, die im August und September 1944 in das KL Auschwitz II-Birkenau deportiert wurden). Janina Iwańska kniet auf der rechten Seite, Tschenstochau, Juli 1945. Au

Das Jahr 1945 markiert für Warschau keinen klaren Neubeginn, sondern vielmehr einen Übergang zwischen Zerstörung und Wiederaufbau. Nach dem Ende der deutschen Besatzung lag die Stadt zu großen Teilen in Trümmern: Rund 85 Prozent der Bebauung waren zerstört, das soziale Gefüge zerrissen, die Bevölkerung dezimiert. Gleichzeitig begann bereits kurz nach Kriegsende ein intensiver Prozess des Wiederaufbaus – getragen von Rückkehrerinnen und Rückkehrern, Überlebenden und neuen Bewohnern.

Die Ausstellung „Warschaus Neuanfang 1945–1949“ zeichnet diesen komplexen Moment nach: Sie zeigt nicht nur die materiellen Herausforderungen des Wiederaufbaus, sondern auch die sozialen, politischen und persönlichen Dimensionen eines Lebens im Übergang. Fotografien aus der unmittelbaren Nachkriegszeit dokumentieren den Alltag zwischen Ruinen, Improvisation und Hoffnung – und machen sichtbar, wie eng Zerstörung und Aufbruch miteinander verbunden waren.

Janina Iwańska (geb. 1930 in Warschau) gehört zu denjenigen, deren Lebensweg diese Brüche und Kontinuitäten auf eindrückliche Weise widerspiegelt. Als Kind erlebt sie den deutschen Überfall auf Polen und die Jahre der Besatzung. Während des Warschauer Aufstands wird sie Zeugin des Massakers von Wola und überlebt die Konzentrationslager Auschwitz, Ravensbrück und Neustadt-Glewe.

Nach ihrer Befreiung kehrt sie zu Fuß in das zerstörte Warschau zurück. Dort wird sie nicht nur zur Beobachterin, sondern auch zur Mitgestalterin des Wiederaufbaus. Ihr späterer beruflicher Weg – die Promotion in Pharmazie – steht zugleich für die individuellen Möglichkeiten eines Neuanfangs nach existenzieller Gewalt und Verlust.


Einen vertiefenden Einblick in die Erinnerungsarbeit mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen bietet auch eine frühere Veranstaltung des Pilecki-Instituts: Am 24. Januar 2026 fand in Warschau ein Gespräch anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz statt. Zu Gast waren neben Janina Iwańska auch der 101-jährige ehemalige Häftling Jan Temler sowie Mitarbeiterinnen des Instituts. Die Veranstaltung wurde von einer Filmvorführung begleitet und ist online verfügbar:

https://youtu.be/nxeHUPCad1U