„Welcome to Soviet Ukraine“ – westliche Delegationen in der Ukrainischen SSR in den Jahren 1946–1991 - Instytut Pileckiego

21.04.2026 () 18:00

„Welcome to Soviet Ukraine“ – westliche Delegationen in der Ukrainischen SSR in den Jahren 1946–1991

„Welcome to Soviet Ukraine“ – westliche Delegationen in der Ukrainischen SSR in den Jahren 1946–1991

21.04, 18.00 | Pariser Platz 4A, 10117 Berlin | Anmeldung: 

In der nächsten Veranstaltung unserer Reihe „Festung Archiv Ukraine“ widmen wir uns mehreren spannenden Fragen zu den inneren Dynamiken der Sowjetunion: Inwieweit war die Ukrainische SSR in den Bereichen Diplomatie und internationale Beziehungen eigenständig? Welche institutionellen Mechanismen nutzte Moskau, um mit der Autonomie der Sowjetrepubliken zu spielen und seine eigene Hegemonie zu stärken?

Antworten auf diese Fragen wird Larysa Levchenko, Direktorin des Zentralarchivs der obersten Staatsorgane und der Regierung der Ukraine, geben. Für uns wertet sie u. a. Akten der Werchowna Rada (des ukrainischen Parlaments) aus den Jahren 1946–1991 sowie Dokumente aus dem Zentralen Staatsarchiv der obersten Staatsorgane und der Regierung der Ukraine in Kyjiw aus.

Die dialektische Dynamik zwischen pragmatischem Tolerieren, zeitweiligem Anreizen und anschließender Repression bis hin zur Vernichtung, die das Verhältnis zwischen der Sowjetunion und dem Ukrainischen kennzeichnete, lässt sich auch in der politischen Ordnung erkennen. Zwar bezeichnete die Verfassung der Ukrainischen SSR aus dem Jahr 1937 die Republik als „Staat“, der freiwillig und widerrufbar der Union beigetreten war – doch dies geschah im selben Jahr wohlgemerkt, in dem der Große Terror tobte und die nationalen Eliten vernichtet wurden. Das höchste Macht- und Gesetzgebungsorgan der Ukrainischen SSR war die Werchowna Rada.

Die Exekutivgewalt wurde seit der Gründung der UdSSR in den 1920er Jahren vom sogenannten Rat der Volkskommissare der jeweiligen Republik ausgeübt. Doch bereits 1923 wurden die Kommissariate der Sowjetrepubliken für internationale Angelegenheiten mit dem zentralen Kommissariat zusammengelegt. Entsprechende außenpolitische Strukturen der Ukrainischen SSR wurden damit faktisch aufgelöst.

Die diplomatische Tätigkeit der Ukrainischen Volksrepublik wurde von Tetiana Klymenko in einem Vortrag im Oktober 2025 vorgestellt, den Sie hier ansehen können:
https://youtu.be/D47cBvzoifc?si=JkiLwIIAt5vg_Cxk

Die Ukrainische Volksrepublik wurde damit effektiv ihres eigenen Außenministeriums beraubt. Diese Entwicklung wurde durch die Verfassung der Sowjetunion von 1936 weiter gefestigt: Der Kreml vertrat die Republiken nach außen, unterzeichnete internationale Verträge, erklärte Kriege und schloss Frieden. Im Jahr 1944 wurde diese Regelung aus pragmatischen Gründen jedoch modifiziert. So lässt sich erklären, warum die Ukraine neben Belarus und der UdSSR einen eigenen Sitz in der am 24. Oktober 1945 gegründeten Organisation der Vereinten Nationen erhielt. Dies erhöhte die Stimmenzahl der Sowjetunion und stärkte damit die zentrale Parteilinie Moskaus.

Ein wesentlicher Bestandteil des Kalten Krieges war der Wettbewerb um Einfluss in postkolonialen Staaten und Entwicklungsländern – gut dokumentiert unter anderem seit der Veröffentlichung des sogenannten Mitrochin-Archivs. Im Rahmen einer propagandistischen „brüderlichen Hilfe“ und zur Inszenierung der vermeintlichen Vorteile des realsozialistischen Wirtschaftssystems empfing die UdSSR Delegationen aus diesen Ländern und gründete entsprechende Freundschaftsorganisationen. Die Kosten für Modernisierungs- und Entwicklungsprogramme wurden jedoch häufig von der Ukraine getragen.

Die Besuche ausländischer Delegationen in Kyjiw waren sorgfältig inszenierte Zeremonien. Einige der Gäste versuchten, zwischen den Zeilen Kritik am totalitären System zu äußern. Nur auf diese Weise konnte die Ukrainische SSR mit ausländischen Partnern in Bereichen zusammenarbeiten, die messbare wirtschaftliche Vorteile brachten. Dabei wurden hohe Anteile an Moskau abgeführt. Versuche, eine eigenständige Kulturpolitik zu betreiben, wurden hingegen als gefährlich eingestuft und unterbunden. Diese Repressionen dauerten bis zur Unabhängigkeitserklärung der Ukraine im Jahr 1991 an.

Wie zeigen sich die Auswirkungen dieser widersprüchlichen Politik der UdSSR gegenüber der Ukraine bis heute? Diese Fragen werden wir im Anschluss an den Vortrag in einer gemeinsamen Diskussion erörtern.