Der Neue Mensch - Instytut Pileckiego

Anfang des 20. Jahrhunderts schien der von Industrialisierung und sozialem Wandel ergriffene Mensch europaweit und über die verschiedenen politischen Lager hinweg erneuerungsbedürftig. Die Vorstellungsbilder um den neu zu erschaffenden Menschen nahmen je nach ideologischem Gefüge spezifische Formen an. Gemeinsam war ihnen aber, programmatisch zu wirken, um so entweder reformatorisch oder mit revolutionären Mitteln die Metamorphose des Menschen durchzusetzen. Das Streben der Zukunft und dem Neuen Menschen entgegen machte unterschiedlichste politische Bewegungen zu genuin modernen. Selbst restaurative und reaktionäre Bewegungen beschworen das Bild einer Erneuerung, wenn es ihnen darum ging, eine als grandios imaginierte Vergangenheit zu reinstallieren.

Die Vortragsreihe soll sich verschiedenen politischen, gesellschaftlichen, gestalterischen und architektonischen Experimenten des 20. Jahrhunderts widmen und dabei ihre visionären, idealistischen Aspekte ebenso wie ihre Schattenseiten herausarbeiten. In Vorträgen und Diskussionen wollen wir Phänomene wie Wohnsiedlungsbau, Standardisierungs- und Regulierungsstrategien des Alltags sowie verschiedene biopolitische Ansätze berücksichtigen und anhand dieser Phänomene zugleich Fragen nach der Verfremdung der Utopie vom Neuen Menschen und ihrem dystopischen Potential stellen.