Pariser Platz Seminar - Instytut Pileckiego

Ziel der Pariser Platz Seminare ist, vielfältige Perspektiven auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts vorzustellen. Das Hauptaugenmerk soll dabei auf Mittel- und Osteuropa gelegt werden.

Methodologisch und paradigmatisch gilt es die Gegebenheiten des 20. Jahrhunderts nicht nur mithilfe geschichtswissenschaftlicher Diskurse zu beleuchten, sondern auch die Ansätze der Soziologen, Politikwissenschaftler und Ökonomen miteinzubeziehen. Last but not least soll die Aktualität und der gegenwärtige Bezug vieler historischer Fragestellungen akzentuiert werden. In einer Debattenreihe werden wir uns mit der kollektiven geschichtlichen Erinnerung befassen und versuchen, zu erörtern, wie die Ereignisse des letzten Jahrhunderts unsere Gegenwart geprägt haben.

Nächste Veranstaltung - TBC 


Bisherige Veranstaltungen: 

  • The Geography of Famine: Putting the Holodomor on the Map

Prof. Serhii Plokhii | 10.03.2022, 18.00

Was the Ukrainian famine or Holodomor a genocide? Rafael Lemkin, the father of the concept, believed that it was, if considered together with Stalin’s attack on the Ukrainian culture, institutions and elites. In this talk Serhii Plokhii will discuss the findings of the scholars working on the Harvard Ukrainian Research Institute project, “MAPA: Digital Atlas of Ukraine.”

By using the GIS based mapping of the demographic and other data on the history of the famine, the members of the project uncovered a peculiar feature of the Ukrainian famine that sets it apart from the famine and starvation in other parts of the USSR. The area hardest hit by the Holodomor was the central Ukrainian heartland around Kyiv, Poltava, and Kharkiv rather than the main grain-growing regions of Southern Ukraine.

In the rest of the Soviet Union, it was the grain producing regions of Kuban and Low Volga that suffered the most. What is the reason for that peculiarity of the Ukrainian famine? The research provided by the members of the project points to the government policies that in case of Ukraine were driven not only by the desire to get out as much grain as possible but also by the determination to crush the Ukrainian political and cultural revival of the 1920s and arrest the development of the Ukrainian nation.


  • Forschen im Untergrund. Neue Perspektiven auf den Alltag unter deutsch. Besatzung in Polen 1939-1945

Friedrich Cain | 20.01.2022, 18.00

Der Zweite Weltkrieg und die deutsche Besatzung veränderten das Leben in Polen grundlegend. Wie alle Teile der Gesellschaft waren auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gezwungen, ihre Tätigkeiten entweder aufzugeben oder im Verborgenen zu reorganisieren. Angesichts der Schließung höherer Bildungs- und Forschungseinrichtungen mussten sie Bibliotheken, Labore, Material und soziale Beziehungen ersetzen oder neu einrichten.

Althergebrachte Praktiken und Abläufe konnten dabei verändert oder auch dynamisiert werden. Gleichzeitig waren Programme wissenschaftlicher Neutralität mit politischen Agenden in Einklang zu bringen. Friedrich Cain gibt Einblicke in soziologische, biologisch-medizinische und physikalische Perspektiven auf den Widerstand in Polen.


  • Nord und Süd

Prof. Marek Cichocki, Prof. Kai-Olaf Lang | 23.03.2021 

Marek Cichocki im Gespräch mit Kai-Olaf Lang über die polnische Geschichtskultur und ihre vielfältigen Auslegungen. Marek A. Cichocki stellt die traditionelle Einordnung Polens in ein Ost-West-Schema in Frage. Der Osten hat sich für Polen oft als eine zerstörerische Verheißung erwiesen, wohingegen der Westen, insbesondere Deutschland, Polen nach seinen eigenen Vorstellungen ummodeln wollte.

Anders dagegen die Ausstrahlungskraft des Südens, der Polen in fruchtbarer Konfrontation mit römischen und italienischen Vorbildern mannigfach geprägt und von einem Land der „Barbaren“ zu einem Kernland der europäischen Kultur gemacht hat. Kai-Olaf Lang, ein langjähriger, auf analytischer Ebene ebenso nüchterner wie auch scharfsinniger Beobachter der politischen Situation in Polen, wird dem auf den Grund gehen und dabei auch die gegenwärtige Dimension dieser geozivilisatorischen Überlegungen miteinbeziehen. Das Seminar wird in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Polen-Institut Darmstadt organisiert.


  • "Die Intelligenzaktion und die Errichtung des KL Auschwitz" 

Nikolaus Wachsmann, Piotr Setkiewicz | 09.06.2020, 18.00 

Das KL Auschwitz war das tödlichste Lager des Dritten Reiches und zentraler Ort des Holocaust. Obwohl Auschwitz im Laufe der Zeit zum Ort des systematischen Massenmords an Juden wurde, war dies nicht der ursprüngliche Grund für seine Errichtung. Im Jahre 1940 gegründet, diente es zunächst der Zerschlagung der politischen Opposition und des Widerstands im gerade erst besetzten Polen.

Der erste Massentransport von über 700 Gefangenen nach Auschwitz wurde am 14. Juni 1940 aus Tarnów organisiert. Weitere Transporte folgten und bildeten einen integralen Bestandteil der sogenannten Intelligenzaktion und der AB-Aktion. Es handelte sich hierbei um gegen den polnischen Staat und seine geistigen sowie politischen Eliten gerichtete Vernichtungsmaßnahmen. Zusammen mit den Experten Nikolaus Wachsmann und Piotr Setkiewicz wollen wir diese weniger bekannte Geschichte des KL Auschwitz zeigen und die Mechanismen diskutieren, die zur Schaffung des tödlichsten, von Nazideutschland gegründeten KZ-Lagers geführt haben.

Auschwitz war ein Ort des Experimentierens mit dem Tod. Welche Intentionen lagen der Errichtung des Lagers zugrunde und welche Ziele wurden während der ersten Phase seines Bestehens verfolgt? Die Antwort auf diese Fragen soll zu einem tieferen Verständnis sowohl der Geschichte der deutschen Besatzung Polens als auch des Holocaust beitragen.


  • "On the trail of Otto Wächter: memory and post-war justice 75 years on"

Philippe Sands, Katja Riemann | 14.05.2020, 18.00

Philippe Sands, an attorney specializing in international law and author of a prize-winning book about Lwów lawyers Rafał Lemkin and Hersz Lauterpacht, the creators of the concepts of genocide and crimes against humanity respectively, has written another important book: ‘The Ratline: Love, Lies and Justice on the Trail of a Nazi Fugitive’ (2020).

This historical investigation concerns Otto Wächter, who served as Nazi Governor of Kraków, and then in Lwów as Governor of the District of Galicia, becoming responsible for the crimes committed in occupied Poland. After the war he managed to escape justice. Sands’ work is also of importance as regards the memory of the families of perpetrators, denial, and the evasion of history. Sands used the private archives of Otto Wächter’s son Horst, and literally talks to him. "Ratline" is the story of a son trying to keep a positive memory of his criminal father.

Finally, Sands' book attempts to disclose the history of Otto Wächter’s escape, concealment and death in the post-war context of uncertainty, espionage, and the Cold War. At the next Pariser Platz seminar, which will be held on 14 May, we invite you to take part in a conversation with Philippe Sands and German actress and writer Katja Riemann. On the 75th anniversary of the end of the war, we can reference the case of Otto Wächter and the meticulous investigative work of Philippe Sands as the starting point for a discussion on the complexities of memory and post-war justice.


  • "Unterschiedlich aber komplementär"

Prof. Arnd Bauerkämper | 23.04.2020 

Studien zu interkulturellen und transnationalen Beziehungen, Transfers und Verflechtungen sind in der Geschichtswissenschaft – besonders in Deutschland – spät aufgenommen worden. Erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts wuchs in der Geschichtswissenschaft der Stellenwert der vergleichenden Methode. Seit den achtziger Jahren traten Untersuchungsansätze der Transfer- und Verflechtungsforschung hinzu. Damit hat sich die Rekonstruktion und Analyse grenzüberschreitender Beziehungen, Austauschprozesse, Wechselwirkungen und Verflechtungen zu einer wichtigen Aufgabe historischer Forschung entwickelt.

Jedoch ist zunächst kontrovers diskutiert worden, ob, inwieweit und wie die komparative Methode mit transfer- bzw. verflechtungsgeschichtlichen Untersuchungsansätzen kombiniert werden kann. In dem Vortrag soll argumentiert werden, dass Transferforschung der Ergänzung durch die komparative Methode bedarf, zumal die einzelnen und sich teilweise überlagernden Ebenen von Transferprozessen – Problemwahrnehmung, Rezeption fremder Lösungsstrategien, Vermittlung und Übertragung, Aneignung und Transformation – in der sozialen Praxis selber von (jeweils zeitgenössischen) Vergleichen bestimmt sind.

Andererseits ergänzen verflechtungsgeschichtliche Studien vergleichende Untersuchungen, da sie Wechselbeziehungen erfassen und damit vor allem Ähnlichkeiten erklären. Es bietet sich deshalb an, die vergleichende Methode mit transfergeschichtlichen Untersuchungsansätzen zu kombinieren.