Ganz Polen unterstützt die Ukraine mit Herz und Tat - Instytut Pileckiego
Ganz Polen unterstützt die Ukraine mit Herz und Tat
Ganz Polen unterstützt die Ukraine mit Herz und Tat. Über 2 200 000 Flüchtlinge in Polen, aber kaum Flüchtlingslager. Wie geht das zusammen? Ganz einfach: Polen nehmen en masse ihre geflüchteten Nachbarn bei sich zuhause auf!

Pomagamukrainie.gov.pl – auf der kurz nach Kriegsbeginn gestarteten polnischen Webpage kann man sowohl Hilfsbereitschaft als auch Hilfsbedarf melden. Wortwörtlich übersetzt lautet der Name der Webpage „Ichhelfederukraine.gov.pl“. Sie steht symbolisch für das, was seit einigen Tagen zwischen Polen und Ukrainern passiert. Und für die Bewunderung der Polen für ihr Nachbarland, welches sich bislang trotz der wachsenden Brutalität des Besatzers sehr tapfer gegen die russische Besatzungsmacht schlägt und ihr durchaus Paroli bietet.
Bewunderung auch für Präsident Wolodymyr Selenskyj, welcher, wie an anderer Stelle geschrieben wurde, innerhalb kürzester Zeit von einem „Komödianten“ zu einem bewundernswerten und ernstzunehmenden Staatsmann avancierte – im Gegenteil zu manchen westlichen Politikern, welche dieser Tage genau den umgekehrten Weg gingen.

Und Bewunderung für Kiew und andere Großstädte, welche trotz massiver, immer brutalerer Angriffe, immer noch stolz stehen. Diese Bewunderung schlägt glücklicherweise auch in konkrete Taten über. Der Politikwissenschaftler und Direktor der polnischen Denkfabrik PISM Sławomir Dębski (The Polish Institute of International Affairs) tweetete dazu:
„So hilft Polen der Ukraine, um gegen die Russische Aggression anzukommen:
1) Waffen und Munition
2) Aufnahme von Kriegsflüchtlingen
3) Tägliche humanitäre Hilfe
4) Politische Unterstützung (diplomatischer Einsatz für die Ukraine) in den internationalen Gremien
5) Große Unterstützung der polnischen Öffentlichkeit #StandWithUkraine"

Staatlich koordinierte Initiativen, zivilgesellschaftliche Organisationen und das sowohl kollektive als auch individuelle private Engagement einzelner Bürger – daraus speiste sich die enorme Hilfsbereitschaft Polens, wie man sie in den letzten Tagen beobachten konnte. Etwa 950 Millionen USD flossen allein in den ersten 4 Tagen – laut Dimko Zhluktenko ist Polen damit der Spitzenreiter vor Frankreich mit 300 Mililionen Euro.
Spendenaktionen, Hotels, die ihre Räumlichkeiten ukrainischen Flüchtlingen zur Verfügung stellen, Essen, Trinken und andere essenzielle Hilfsgüter, die Polen aller Schichten und aller Altersgruppen an Sammelpunkte bringen, Hilfe für verlassene Kinder und Pflegefamilien.

Dazu eine von staatlicher Seite aus eingeführte besondere Regelung, die es erlaubt Flüchtlingen aus der Ukraine ohne vollständige Reisedokumente und mit ihren Haustieren die Grenze zu überqueren. Und nicht zu vergessen die großen Lieferungen von Munition und Waffen in Militärconvois und das politisch-diplomatische Engagement europaweit: Zum einen die heutige Forderung, die Ukraine in die EU aufzunehmen, zum anderen der Versuch, andere Staaten davon zu überzeugen, reale statt nur auf dem Papier stehende Sanktionen gegen Russland durchzusetzen. Heute lenkte Viktor Orban ein und auch Ungarn ist nun dafür, Russland aus dem Swift-System auszuschließen.

Welche zivilgesellschaftlichen Organisationen nehmen an den oben beschriebenen Hilfsaktionen teil? Hier nur eine kleine Auswahl.
Das Polnische Rote Kreuz - das Geld aus einer organisierten Spendenaktion wird in erster Linie zur Deckung von Grundbedürfnissen, einschließlich des Kaufs von Lebensmitteln und Verbandsmaterial, verwendet.
Eine weitere Organisation, die die Ukraine unterstützen will, ist Caritas. Sie hat bereits wenige Stunden nach dem Überfall 100 000 PLN überwiesen, um für Zerstörungen in Donbass aufzukommen. Diese Mittel werden von der Caritas Ukraine der griechisch-katholischen Kirche und der Caritas-SPES der römisch-katholischen Kirche überwiesen. Darüber hinaus hat die Organisation eine weitere Spendenaktion unter dem Motto "Hilfe für die Ukraine" angekündigt.

Auch die Stiftung Pomagam.pl organisiert eine Spendenaktion: „Solidarni z Ukrainą“ (Solidarität mit der Ukraine). Das Geld soll an ukrainische NGOs gehen. Der Stiftung zufolge "wissen die dort arbeitenden Menschen am besten, welche Unterstützung die Ukrainer in diesen schwierigen Zeiten brauchen".
Unzählige weitere Organisationen wie Polnisches Zentrum für internationale Hilfe, Die Humanitäre Aktion Polens oder der seit über 20 Jahren tätige Verein SOS-Kinderdörfer, dessen Ziel es ist, dringend benötigte Hilfe für verlassene Kinder und Pflegefamilien in der Ukraine zu leisten.

Dazu die Initiative „Turystyka dla Ukrainy“ - sie organisiert Transporte, sucht nach Flüchtlingsunterkünften in Polen, nach Lebensmitteln und den notwendigsten Produkten. Hotel- und Pensionsbesitzer, Fahrer, Anwälte, Ärzte, Übersetzer - stehen in ständigem Kontakt mit der Initiative. Mit Hilfe der Stiftung "Fundacja Honor Pomagania Dzieciom" senden sie Lebensmittel in die Ukraine. Andere Teammitglieder kümmern sich um eine gute Kommunikation mit den Bedürftigen, koordinieren die Zusammenarbeit mit den Unterkünften und helfen die Fahrt nach Polen logistisch zu koordinieren.
Die staatliche Unterstützung stützt sich wiederum auf drei Säulen:
- Unterstützung für Flüchtlinge, die vom Innenministerium koordiniert wird, das die Aufnahmestellen für Flüchtlinge organisiert. Die Kommunen bzw. lokalen Administrationen und NGOs sind ebenfalls beteiligt.
- Humanitäre Hilfe innerhalb der Ukraine. Nach Angaben von Minister Dworczyk hat Polen bisher 38 Lkw-Ladungen mit humanitärer Hilfe nach Kiew gebracht. - Es gibt genug Material, um ein Lager für 10.000 Flüchtlinge zu errichten", betonte er.
- Unterstützung für Inhaber der „Karta Polaka“. In der gesamten Ukraine sind 75.000 solcher Dokumente ausgestellt worden.
Sie alle sind Teils des umfassenden Hilfsnetzwerks, welches sich so begeistert für die Ukraine einsetzt. Und für sie Tag und Nacht hofft und betet – denn die Freiheit, um welche die Ukraine kämpft, ist auch unsere - polnische, deutsche, europäische - Freiheit.

Quellen und weiterführende Links:
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